Montag, 11. Januar 2021, 19 Uhr
Gibt es eine jesuanische und eine paulinische Theologie? Ein Streitgespräch zu vier Thesen
Nach der Veranstaltung mit Gerd Theissen im November 2019 zum Thema «Hat Paulus die Botschaft Jesu verraten?» hat sich spontan eine Gruppe gebildet, um Referat und Gespräch zu verarbeiten und den Faden weiterzuspinnen. Sie hat vier Thesen erarbeitet und stellt diese nun zur Diskussion.
These 1
Paulus zitiert nichts aus dem Leben Jesu, weder Unser Vater noch Gleichnisse, keine Seligpreisungen, keine Bergpredigt. Er verkündigt nichts, was ihm Menschen erzählt hätten (Gal. 1, 11–12), sondern ausschliesslich seine eigene Offenbarung Jesu. Er formuliert somit ein eigenes Evangelium.
These 2
Sein Gottesbild unterscheidet sich vom Gottesbild Jesu. Jesus verkündet das Reich Gottes. Sein Gott will keine Opfer (Mt. 12,7). Der himmlische Vater vergibt Schuld, wenn man ihn darum bittet. Der Gott von Paulus vergibt dem, der glaubt, dass Jesus mit seinem Tod als Opfer für die Schuld der Menschen gesühnt hat.
These 3
Glauben bei Paulus bedeutet nicht dasselbe wie glauben bei Jesus. Jesus fordert zum barmherzigen Handeln auf, Nachfolge bedeutet Umsetzung der Liebe zu Gott und zum Nächsten. «Nicht jene, die Herr, Herr sagen, sondern jene, die den Willen eines Vaters tun…» Paulus fordert Bekehrung und Glaubensgehorsam.
These 4
Paulus sieht in Jesus den Herrn und Weltenherrscher und das Lamm, das geopfert wurde (1. Kor. 5,7). In den Evangelien ist Jesus Menschensohn, Prophet, Rabbi, Heiler.
Auf das Streitgespräch lassen sich ein:
Bettina Bartels, Pfarrerin in Affoltern am Albis, Erwachsenenbildnerin, Dozentin beim Evangelischen Theologiekurs ETK
Pierre Bühler, emeritierter Professor für Systematische Theologie, Hermeneutik und Fundamentaltheologie an der Universität Zürich
Jörg Frey, Professor für Neues Testament an der Universität Zürich, mit den Schwerpunkten Antikes Judentum und Hermeneutik
Leitung: Irene Gysel
Ort: St. Anna-Kapelle, St. Annagasse 11, 8001 Zürich